
Höhlenforschung in der DDR aus
der Sicht der Wernigeröder
Fachgruppe
Geowissenschaften - Speläologie von 1968-1990.
Die
Wiederbelebung der Höhlenforschung im Ostharz nach dem
letzten Krieg
begann fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.
Der Geologe
Reichelt aus Rübeland war für uns Wernigeröder
die erste
Anlaufstelle.
Er brauchte
einige Hilfswillige für seine Fledermausberingung
in der Bielshöhle.
Wir hielten die Zipfel eines großen Bettlakens
um
evtl. abstürzende Fledermäuse aufzufangen, die Reichelt
mit einem
Apfelpflücker von der Höhlendecke holte, um sie zu
bestimmen
und zu beringen.
Damals hingen noch Kolonien von bis zu 80 Tieren dicht
gedrängt im Dom.
Später haben dann Lehrlinge des Harzer Kalk und Zementwerkes
die "etlichen
Viecher" mit Steinen von der Decke geworfen,
sodass
wir in den folgenden Jahren nur noch wenige Fledermäuse
im
Winterschlaf vorfanden.
Reichelts
Weihnachtsfeiern in der Baumannshöhle waren damals
berühmt. Wir
erlebten den Goethesaal im Schein von 300 Kerzen
und lernten
dabei die maßgeblichen Leute kennen, die begeisterte
Höhlenforscher
waren und uns gerne mitnahmen.
Wir waren am
Anfang 3 Ehepaare: Stanke, Foerster, Tschorn und
der Geologe
Achim Groß. Froh, dem tristen DDR-Alltag mit seiner
besitzergreifenden
Politik entrinnen zu können, verschwanden
wir an jedem
Wochenende in der Unterwelt.
Höhlenforschung
war damals ein aufwendiges Hobby. Es gab rein
gar nichts zu
kaufen. Helme, Karbid für die Lampen, Gummistiefel
und Kombis mussten
mühselig beschaff, organisiert oder in den
Betrieben sogar
"weggefunden" werden wie es damals hieß.
Aber man half
sich gegenseitig.
Verdreckt aus
der Höhle kommend, mussten wir uns vor gaffender
Zuschauermenge
selbst im Winter in der Bode säubern.
Die nassen Höhlenklamotten
bekam man kaum in den nassen Rucksack
hinein. Ein Auto hatte keiner. Meinen ersten Trabbi bekam
ich mit 39
Jahren nach neunjähriger Wartezeit.
In der Bahnhofsgaststätte
waren wir dann
kaum satt zu bekommen und ersetzten
den
vergossenen Schweiß durch Bier, das Glas für 48 Pfennig.
Dann das Warten
auf den überfüllten Linienbus mit den gutgekleideten
Ausflüglern.
Die Karbidlampen stanken aus den verdreckten
Rucksäcken und
man rückte von uns ab. Wir aber fühlten uns
großartig;
hatten wir doch Erlebnisse hinter uns, von denen diese
braven Bürger
nur träumen konnten.
Später. als wir
alle ein Auto hatten, gab es nach der Befahrung
keine
gemeinsamen Kneipenbesuche mehr. Jeder haute gleich ab in
die häusliche
Zivilisation.
Anfangs trafen
sich die Höhlenfreunde noch zu gemeinsamen Befahrungen
in Rübeland.
Schuster, Molle Mund, Graf, kamen vom Südharz
andere aus Halle
,Jena, Magdeburg, Berlin und dem Thüringer Raum.
Als regional stärkere
Gruppen entstanden, machte man eigene
Pläne und nach
abreagierter sportlicher Abenteuerlust begann
endlich eine
organisierte Höhlenforschung.
Natürlich gab
es auch schwarze Schafe. Türen wurden aufgebrochen
Tropfsteine
abgeschlagen und auf den Mineralienbörsen verkauft.
Das wurde recht
bald unterbunden. Die Höhleneingänge wurden
doppelt und
dreifach gesichert und immer raffiniertere Verschlüsse erfunden.
Es
gab Zeiten, da konnte sich jeder "Höhlenforscher" nennen und
den Schlüssel für
die Höhle vom Bürgermeister, Gemeindebüro
oder Höhlendirektor
holen.
Dieser Missbrauch
änderte sich erst als sich die 21 Höhlenforschergruppen
der DDR
zusammenschlossen, einen zentralen Fachausschuss
Höhlen
- und Karstforschung bildeten und sich verbindliche
Richtlinien
gaben. Höhlenforschergruppen konnten nur noch
unter den
Dachorganisationen Kulturbund und DWBO (Deutscher
Verband für
Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf) arbeiten.
Sie waren somit
kontrollierbar und die Fachgruppenleiter hielten
über
ihren gewählten Fachausschuss die Verbindung untereinander aufrecht.
Dessen Beschlüsse
waren bindend.
Es ging dabei um fachliche Qualifizierung. Ausbildung von
Befahrungsleitern für
Horizontal -und Vertikalhöhlen mit ihrer speziellen
Seiltechnik,
um Gesetzeskunde, Höhlen - und Naturschutz,
Vermessungskunde,
Sicherheit, Höhlenrettung usw.
In loser
Reihenfolge erschienen Mitteilungsblätter sowie Schulungsbriefe
und es wurden
nationale und internationale Höhlenforschertreffen
organisiert. Dafür
gab es staatliche Hilfe, besonders über den Kulturbund.
Befahrungsleiter wurde man nach abgelegter theoretischer und
praktischer Prüfung.
Dafür gab es einen Befähigungsnachweis, der
die Türen der
verschlossenen Höhlen öffnete. Befahrungsleiter
waren für ihre
Gruppe verantwortlich und ohne sie gab es keine
Befahrung. Die
übrigen Teilnehmer bekamen eine Sicherheitsbelehrung
für die Höhle
und trugen sich in die Teilnehmerliste ein.
Das mag alles
nach Gängelei aussehen, hat sich aber bewährt.
Wilde
Befahrungen, Feten mit Besäufnis und Beschädigungen der
Höhlen waren
nun nicht mehr möglich.
Wenn ich mich an
21 Höhlenforschergruppen in der DDR erinnere
so ist das keine
konstante Zahl. Im Laufe der Jahre gingen Gruppen
ein und neue
entstanden. Auch die Aktivitäten waren schwankend.
Neben unserer
Wernigeröder -gab es die Fachgruppen
Rübeland
.Nordhausen, Kittelsthal, Königsaue, Suhl, Eisleben, Leipzig
Dresden 2 mal,
Naumburg, Neubrandenburg, Halle, Freiberg, Magdeburg
Lübbenau,
Karl-Marx-Stadt, Sondershausen, Weimar und Mittweida.
Wir hatten zu 11
Gruppen Kontakt.
Wenn ich über
unsere Aktivitäten nachlese, so hatten wir langfristig
22 Mitglieder,
darunter 8 Frauen, die in Verlässlichkeit
und
Belastbarkeit stets gleichwertig waren.
Von 1968-1984
hatten wir 376 Befahrungen von 74 verschiedenen
Höhlen und 36
Altbergbauen. Die anfangs noch wilden Altbergbau
befahrungen mussten
später bei der Bergbaubehörde beantragt
werden. Einige Höhlentaucher
gab es auch, die mit den F.G. bei
Bedarf
zusammenarbeiteten. Taucherausrüstung durfte privat keiner
haben
aus Furcht er hatte davonschwimmen können. Die GST
wachte darüber
und so waren Tauchereinsätze stets eine halb
illegale Sache.
Zusammenfassender Überblick über die Arbeit der FG
Wernigerode
von 1968-1990
Zuarbeiten für das Karstmuseum Heimkehle, insbesondere Höhlenkataster.
Harz.
Vermessungen Schmiedeknechthöhle, kleine Höhlen im Bielstein, Peershöhle,
Sandsteinhöhlen
im nördlichen Harzvorland und der neu entdeckten Fortsetzung im Volkmarskeller
Freilegung der Verbindung Hasenhöhle- Gruberhöhle-Bielshöhle.
Besonders die
Bielshöhle interessierte uns. Nach Sichtung aller
zugänglichen
Unterlagen konnten wir vor Ort die damalige
Erschließung
1787 durch C.F. Becker, den alten Führungsweg, seine Veränderungen und die
namentlich benannten 15 Abteilungen
rekonstruieren.
Trotzdem ist das Märchen von der einst tropfsteinreichen
und
geplünderten Bielshöhle nicht auszurotten.
Ein Versuch,
durch eine sog. Kneppersprengung (Sprengmeister
Lischke /
Woffleben) in der Strudelkolkhöhle weiterzukommen misslang.
Der
Verbruch war zu groß.
Bielsteinkartierung
für das Harzer Kalk- und Zementwerk Rübeland.
(Porphyrgänge,
Wasseraustrittsstellen. Färbeversuche.
Zuarbeit für
das Forschungsinstitut des Erdölkombinats Gommern.
Fotodokumentation
der Harzer Höhlen. (Vergleich zu heute.
Erforschung der
geschichtlichen Vergangenheit der Rübeländer
Höhlen durch
Befragung letzter, noch lebender Zeitzeugen, besonders
der Höhlenführer.
Reproduktion alter Fotos aus deren Besitz.
Fotodokumentation
der handgeschriebenen Akten über die Entdeckung
der
Hermannshöhle aus dem Nachlas des Höhlendirektors
Lange. (1945
ausgeschieden)
Berichte und
Fotos von Frau Margot Prenzel /Rübeland. über die
Höhlenfestspiele
der 30er Jahre. Ihr Vater war Friseur und hat
die
Laienschauspieler mit Perücken und Bärten versorgt.
Margot P. selbst
war nach dem Krieg aktive Höhlenforscherin
Austausch von
Informationen und regem Briefwechsel mit Fritz
Brandes
(Entdecker der Brandeshöhle) der sich als Chronist der Rübeländer Höhlen
verstand.
Nach mehreren
Interviews von Adalbert Schmiedeknecht/Hüttenrode
und Auswertung
seiner Tagebücher ,,Veröffentlichung: Die
Entdeckung der
Schmiedeknechthöhle (Kameruner Loch) -in der
Verbandszeitschrift
"Höhlenforscher".
Veröffentlichungen
höhlenbezogener Titel auch in anderen Fachzeitschriften
den Wernigeröder
Museumsheften und in England in "The British Caver".
Übersetzungen aus dem Englischen: Showcaves in
England by Tony
Oldham und über
die Mammuthöhle, weil es in der DDR keine internationale
Literatur gab.
Literaturaustausch
mit den "sozialistischen Bruderländern"
Ungarn. Rumänien,
und der CSSR. Trotz Missbilligung durch den
Zentralen Fachausschuss
auch Literaturaustausch mit den USA
England , Österreich
und der Bundesrepublik . Westliteratur ging
immer durch die
Kontrolle des Mdi (Ministerium des Inneren)
dessen Stempel
auf jeder Sendung prangte. Manche Sendung kam
nie an, andere
wurden lange zurückgehalten. Natürlich wurde ich
wegen meiner
Westkontakte kritisiert und, wie ich heute weiß,
auch observiert.
Höhlenfreunde aus meiner nächsten Umgebung
waren aus
verschiedenen Gründen gezwungen worden. mich zu bespitzeln. Sie
warnten mich und brachten sich damit selbst in
Gefahr- bis auf
einen.
Der IM Berger
pinselte übereifrig handschriftlich seitenlange
Briefe, in denen
er auch persönliche Ansichten äußerte.
Nachteile hatte
ich aber dadurch nicht.
Gut und
hilfreich waren die Kontakte zu F. Knolle und Fritz
Reinboth. Sie
vermittelten uns Einblicke in die Harzer Höhlenforschung,
von denen wir
hier nie etwas erfahren hätten. z.B.
Stolberg und B.
Wolf. Auch G. Machalet hat uns unterstützt und
von Kurt Siebert
/ Wien bekam ich regelmäßig die Verbandsnachrichten
Österreichischer
Höhlenforscher. Tony Oldham schickte
die ganzen Jahre
hindurch seinen "British Caver"- Blicke in die
große weite
Welt.
Kurt Siebert hat
uns mit seiner Familie besucht und wir waren
heimlich in der
Bielshöhle. Das war damals
verboten.
Siebert musste sich natürlich bei der Volkspolizei anmelden und
betrat das
Polizeibüro mit einem freundlichen GRÜß GOTT!
Der Vopo schielte missmutig über seine Brille und sagte: Dän hamwer
hier nich! Auch F.
Knolle und seiner Frau haben wir die Bielshöhle gezeigt.
Ais Ossi
verkleidet und in die Befahrungsliste als Besuch aus Dresden unter falschem
Namen eingetragen ging das gut. Naturschutz: Zwei Mitglieder, Groß und Tschorn,
waren Naturschutzbeauftragte.
l984 wurden die Rübeländer
Höhlen als. geologische Naturdenkmale unter Schutz gestellt um dem Kalkabbau
eine gesetzliche Grenze zu setzen.
Unser FG Leiter
Achim Groß war maßgeblich daran beteiligt. Beim Winterberg/ Bad Grund waren da
wohl alle Rettungsversuche vergebens.
Drei Mitglieder unserer FG waren Bodendenkmalspfleger
des
Archäologischen
Landesamtes Halle. In dieser Eigenschaft fand
ich mehrere Feuersteinmesser auf der Rübeländer Hochfläche, einen Schaber oberhalb der Brandeshöhle und in der Schmiedeknechthöhle einen
von Dr. Weber als Artefakt eingestuften Abschlag aus Grünstein.
Gemeinsam haben wir mit dem Landesmuseum Halle die
Kirchenruine
Rippenrode
(?)ausgegraben und am Eggeröder Brunnen Rennöfen zur Eisengewinnung. Begleitscherben
reichen bis ins 10.Jh.zurück.
1984 nahm unsere
FG an einer 16- tägigen Grabung auf Höhlenbärenknochen in
der Hermannshöhle teil. Leiter: Dr.Weber vom
Landesmuseum Halle und R. Völker vom Karstmuseum Heimkehle.
Die
reichhaltigen Knochenfunde, Sedimentproben, Pollenanalysen
und 2 ca. 40 000
Jahren Feuersteinklingen haben schon wichtige
wissenschaftliche
Erkenntnisse erbracht.
Jährlich
organisierten wir eine geologische Exkursion in das
nördliche
Harzvorland.1979 begannen sie an der Westgrenze bei
Ilsenburg und
erreichten im Laufe der Jahre Ballenstedt.
Wir waren mit
bis zu 14 PKW und 51 Teilnehmern immer gut besucht.
Sie kamen aus
allen Teilen der DDR und nahmen einen Exkursionsführer mit nach Hause.
Nach der Wende
boten wir das auch unseren westdeutschen Höhlenfreunden an
(Pölzer)
in der Annahme, es bestünde Nachholbedarf
für unsere schöne
und interessante Landschaft. Lediglich mit
Jürgen Wode kam
es zu eine m erlebnisreichen Landschaftsaustausch.
Er kannte aber
schon vieles hier von eigenen Besuchen.
Für uns aber war
alles neu im Westen.
Fast alle Gruppen luden damals zu Zeltlagern, Exkursionen und Befahrungen
ein. So lernten wir uns alle kennen, was die Arbeit
im Zentralen Fachausschuss
sehr erleichterte.
Höhepunkte
waren die 4- wöchigen Auslandsexpeditionen, organisiert
vom Karstmuseum.
Heimkehle. Dabei musste ALLES mitgenommen werden
vom Zelt, über
die Höhlenausrüstung bis zur Verpflegung. Wir waren
in der CSSR, in
Ungarn und besonders in Bulgarien. So erlebten
wir Land und
Leute hautnah, lebten in der Natur, saßen abends am
Lagerfeuer,
kochten unser Essen und befuhren Höhlen soviel wir
wollten. Es
waren unvergessliche Erlebnisse, in Film und Dia festgehalten.
Freundschaften
aus dieser Zeit haben bis heute gehalten.
Was kann es
besseres geben?
In unserem Land
selbst erhielt in staatlichem Auftrag eine
Gruppe von Höhlenforschern
aus allen Teilen des Landes die Gelegenheit
den
Kupferschieferaltbergbau bei Wimmelburg kennen zu lernen.
Er ist durch mächtige
Schlotten miteinander verbunden. Es
ging um die
Kartierung des verlassenen Abbaufeldes und um dessen
Standfestigkeit.
Ein einmaliges Erlebnis. Lit. Die Wimmelburger
Schlotte. Chr
.u. R. Völker Heft 13 vom
Karstmuseum Heimkehle.
Den großen
Zulauf den die F.G.Wernigerode stets hatte führen
wir darauf zurück,
dass wir ein Vierteljahresprogramm herausgaben
und an andere FG. und interessierte Einzelpersonen verschickten.
Als Drucksache
kostete sie damals nur 5 Pfennig Porto und enthielt
die Termine für
Befahrungen, Exkursionen, Schulungen, Arbeitseinsätze,
Lichtbildervorträge
und den monatlichen Fachgruppenabend
im Haus des
Kulturbundes dessen Räume kostenlos genutzt werden
konnten. So
konnte jeder seine Zeit im Voraus einplanen.
In den letzten
Jahren arbeiteten wir noch mit der neu gegründeten
Betriebsfachgruppe
Mineralogie der Grube Einheit, Leiter
Dipl. Mineraloge
Dr. Scheffler zusammen. Das gab erneuten Zulauf interessierter Leute.
Zum
Jahresausklang, am 2. Wochenende im Dezember, mieteten wir jährlich
von Freitag bis
Sonntag ein Ferienheim am Eggeröder Brunnen.
Die
Weihnachtsfeier fand im Volkmarskeller im Schein von
über
3oo Kerzen statt. Oft genug gab es 'keine zu kaufen und mussten
selbst aus allen
möglichen Wachsresten gegossen werden.
Dank eines
Stromaggregats hatten wir in der Höhle auch Musik. Weihnachtslieder unterm
Weihnachtsbaum sorgten fürs Gemüt, während der Körper durch Westerlandpunsch erwärmt
wurde.
Diese Feiern mit Wanderungen , Befahrungen ,
Lichtbildervorträgen
und üppiger
Verpflegung im Kreis von 30 guten Freunden über
dauerte bis zum
Jahre 2000, 33 Jahre.
Höhlenbezogene
selbst ausgedachte und angefertigte Glückwunschkarten
zu Neujahr
kursierten im Lande. 1986 erhielt ich noch 21 Karten, heut sind es noch 2-3.
Unser letzter Fachgruppenabend fand am 11.9.1990
statt.
Da wurde auch
der Kulturbund abgewickelt. Uns lockte es nun,
die gewonnene
Freiheit zu erkunden, andere Länder zu sehen
und in den Süden
statt in den Osten zu fahren.
Unsere FG trat
zwar noch mit ihren Restbeständen der Arbeitsgemeinschaft für
Karstkunde e.V. bei, jedoch ohne sich neu zu
profilieren.
Mag deshalb
dieser Bericht als Nachruf gelten.
So wurde eine,
wie ich meine sehr erfolgreiche Periode der
Harzer Höhlenforschung
abgeschlossen, ging aber nicht zu Ende
sondern
wechselte in eine andere, neue Qualität über.
Da die Höhlenforschung
der DDR nun Geschichte ist, sollte sie
auch in den
Archiven einen Platz finden bevor sie in Vergessenheit gerät.
GLÜCK AUF
Fotos
Zur
Höhlenrettung in Rübeland
Die Höhlenrettung beschränkte sich in Rübeland
anfangs auf eine
feuchtigkeitsdichte Box mit Verbandsmaterial.
Mehr war aus eigener
Kraft nicht zu machen. Außerhalb unserer
Grenzen aber, das
wussten wir, gab es schon eine grenzüberschreitende,
gut ausgebildete
Höhlenrettung.
1975 erlitt der damals wohl bekannteste Höhlenforscher
des Harzes,
Friedrich Schuster aus Nordhausen,61 Jahre
alt, beim Abstieg in
einen Schacht auf der Strickleiter einen
Herzinfarkt. lm Sicherheitsseil
hängend, pendelte er anfangs noch leben über
dem Abgrund
und konnte, von Armeskraft gezogen, nicht
geborgen werden.
Der aus dem Kreiskrankenhaus Wernigerode
hergerufene DMH Arzt
kam in Sandalen und leichter, weißer
Berufsbekleidung in die Höhle.
Er sah eine lange, schwankende Leiter in
einem finsteren Loch
in der hochgelegenen Höhlenwand verschwinden
und rief erschrocken:
Da kriegen mich keine 10 Pferde hoch
- das kann man von mir
nicht verlangen.
Aus diesen Mängeln zog ich später als
Leiter der Wernigeröder
Fachgruppe und Verantwortlicher für
Sicherheit und Rettung im
Zentralen Fachausschuss Höhlen und
Karstforschung die Lehren.
Als med. Ass. auf der chirurgischen Abteilung
warb ich aus dem
Krankenhaus 2 Chirurgen,1 Anästhesisten,
1 Assistenzarzt,1 MTA
und einen Rettungspfleger an und befuhr mit
ihnen aus der Sicht
einer Höhlenrettung die schwer zugängliche
Schmiedeknechthöhle.
Es war ein erfolgreicher Versuch. Alle erklärten
sich bereit, im
Notfall zur Verfügung zu stehen.
Ich schrieb daraufhin einen Lehrbrief für 1.
Hilfe unter Tage
gültig für die Höhlenforschergruppen der
DDR. Durchgelesen und
abgesegnet vom Chef der chirurgischen
Abteilung und vom Anästhesisten,
sollte es in jedem Rettungsgepäck zur
Information liegen.
Dr.Regina Hösselbarth schrieb dazu über
schlechte Wetter.
An zentraler Stelle. z.B.
Rübeland, sollte Befahrungsausrüstung
für die Ärzte und sonstige Helfer
bereitliegen, dazu Schlufsäcke
für 1. Hilfe und die Ausrüstung der Ärzte.
Geht man davon aus, dass Schwerverletzte kaum aus der engen Horizontalhöhle
heraus gebracht werden können und vielleicht auch nicht transportfähig sind, so muss der Retter zum Opfer gebracht werden
und nicht umgekehrt.
Der Verletzte muss nicht so schnell wie möglich
sondern so sicher wie möglich
aus der Höhle gebracht werden.
Der Arzt allein ist berechtigt zu
entscheiden, was mit dem Verletzten
geschieht. Bis dahin ist jeder Höhlenforscher
verpflichtet
die vitalen Funktionen des Opfers zu unterstützen
bzw. aufrecht zu erhalten,
um weiteren Schaden zu vermeiden. Aufgabe der
Höhlenrettung
wäre der Materialtransport für ein erträgliches
Biwak und
das Einschleusen der Retter, die keine Höhlenerfahrung
haben.
Die Organisation solcher Notfälle müsste
vorher geübt und geprüft
werden. Teilweise haben wir das auch gemacht,
z.B. in großer Enge
in der Hermannshöhle ein Bein mit schnell
abbindendem Gips versorgt.
Wasser musste mühsam im Helm gesammelt
werden um die Gips
binden einweichen zu können. Bereits nach 15
min war der Gips
belastungsfähig und die
"Patientin" konnte aus eigener Kraft ausfahren.
Mit den heutigen Kunstharzbinden ginge das
noch viel besser
und schneller. Aufblasbare Schienen erwiesen
sich als zu unförmig
und zu verletzlich.
Internationalen Kontakt hielten wir durch die
Teilnahme an Höhlenrettungskongressen
aufrecht. Z.B. Aggtelek / Ungarn und
Jedornice
Mährischer Karst mit 45 Teilnehmern aus 5 Ländern.
Dabei erfuhren wir, dass Unfälle im Ausland,
auch mit Todesfolge
häufig vorkommen. In Italien waren es in 10
Jahren 18 Tote,82
Schwerverletzte,79 Leichtverletzte und 104
Unterkühlte. Selbst
unser Gastland zelebrierte die Abgänge des
letzten Jahres in
lockerer weise mit einem Glas Schnaps pro
Namensaufruf.
Die DDR war, diesmal Dank ihrer Bürokratie,
einsame Spitze.
Nach anfangs wilden Befahrungen ,Randalen,
Zerstörungen, Plünderungen
und Saufgelagen waren schon lange unsere Höhlen
verschlossen
und gesichert. Die Höhlenforscher waren
organisiert, konnten sich
ausweisen und den Schlüssel erhielten nur
Befahrungsleiter. Das
tat den Höhlen gut und den Fledermäusen
auch. Meinen Arztkoffer
mit Absaugpumpe, Atembeutel und
Infusionsbesteck habe ich jeden
falls nie benötigt. Weil ich an der Quelle
saß, konnte ich bis 1992 Verbandsmaterial, Schienen, etc, abgeben. Heute würde
ich dafür vom Krankenhaus eine Abmahnung bekommen. So hat eben jede Zeit ihre
Vor und Nachteile.
GLÜCK
AUF
Deutsche
Geheimdienste und die Höhlenforschung
Höhlenwohnungen
in Langenstein
URLAUB IN WERNIGERODE/ HARZ?
© 2007 Marco Tschorn
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