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 Höhlenforschung in der DDR aus der Sicht der Wernigeröder

Fachgruppe Geowissenschaften - Speläologie von 1968-1990.

 

Die Wiederbelebung der Höhlenforschung im Ostharz nach dem letzten Krieg begann fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Der Geologe Reichelt aus Rübeland war für uns Wernigeröder die erste Anlaufstelle. Er brauchte einige Hilfswillige für seine Fledermausberingung in der Bielshöhle. Wir hielten die Zipfel eines großen Bettlakens um evtl. abstürzende Fledermäuse aufzufangen, die Reichelt mit einem Apfelpflücker von der Höhlendecke holte, um sie zu bestimmen und zu beringen. Damals hingen noch Kolonien von bis zu 80 Tieren dicht gedrängt im Dom. Später haben dann Lehrlinge des Harzer Kalk und Zementwerkes die "etlichen Viecher" mit Steinen von der Decke geworfen,

 sodass wir in den folgenden Jahren nur noch wenige Fledermäuse im Winterschlaf vorfanden.

Reichelts Weihnachtsfeiern in der Baumannshöhle waren damals berühmt. Wir erlebten den Goethesaal im Schein von 300 Kerzen und lernten dabei die maßgeblichen Leute kennen, die begeisterte Höhlenforscher waren und uns gerne mitnahmen. Wir waren am Anfang 3 Ehepaare: Stanke, Foerster, Tschorn und der Geologe Achim Groß. Froh, dem tristen DDR-Alltag mit seiner besitzergreifenden Politik entrinnen zu können, verschwanden wir an jedem Wochenende in der Unterwelt. Höhlenforschung war damals ein aufwendiges Hobby. Es gab rein gar nichts zu kaufen. Helme, Karbid für die Lampen, Gummistiefel und Kombis mussten mühselig beschaff, organisiert oder in den Betrieben sogar "weggefunden" werden wie es damals hieß. Aber man half sich gegenseitig.

  Verdreckt aus der Höhle kommend, mussten wir uns vor gaffender Zuschauermenge selbst im Winter in der Bode säubern. Die nassen Höhlenklamotten bekam man kaum in den nassen Rucksack hinein. Ein Auto hatte keiner. Meinen ersten Trabbi bekam ich mit 39 Jahren nach neunjähriger Wartezeit. 

In der Bahnhofsgaststätte waren wir dann kaum satt zu bekommen und ersetzten den vergossenen Schweiß durch Bier, das Glas für 48 Pfennig. Dann das Warten auf den überfüllten Linienbus mit den gutgekleideten Ausflüglern. Die Karbidlampen stanken aus den verdreckten Rucksäcken und man rückte von uns ab. Wir aber fühlten uns großartig; hatten wir doch Erlebnisse hinter uns, von denen diese braven Bürger nur träumen konnten. Später. als wir alle ein Auto hatten, gab es nach der Befahrung keine gemeinsamen Kneipenbesuche mehr. Jeder haute gleich ab in die häusliche Zivilisation. Anfangs trafen sich die Höhlenfreunde noch zu gemeinsamen Befahrungen in Rübeland. Schuster, Molle Mund, Graf, kamen vom Südharz andere aus Halle ,Jena, Magdeburg, Berlin und dem Thüringer Raum. Als regional stärkere Gruppen entstanden, machte man eigene Pläne und nach abreagierter sportlicher Abenteuerlust begann endlich eine organisierte Höhlenforschung. Natürlich gab es auch schwarze Schafe. Türen wurden aufgebrochen Tropfsteine abgeschlagen und auf den Mineralienbörsen verkauft. Das wurde recht bald unterbunden. Die Höhleneingänge wurden doppelt und dreifach gesichert und immer raffiniertere Verschlüsse erfunden.

 Es gab Zeiten, da konnte sich jeder "Höhlenforscher" nennen und den Schlüssel für die Höhle vom Bürgermeister, Gemeindebüro oder Höhlendirektor holen. Dieser Missbrauch änderte sich erst als sich die 21 Höhlenforschergruppen der DDR zusammenschlossen, einen zentralen Fachausschuss Höhlen - und Karstforschung bildeten und sich verbindliche Richtlinien gaben. Höhlenforschergruppen konnten nur noch unter den Dachorganisationen Kulturbund und DWBO (Deutscher Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf)  arbeiten. Sie waren somit kontrollierbar und die Fachgruppenleiter hielten über ihren gewählten Fachausschuss die Verbindung untereinander aufrecht. Dessen Beschlüsse waren bindend. Es ging dabei um fachliche Qualifizierung. Ausbildung von Befahrungsleitern für Horizontal -und Vertikalhöhlen mit ihrer speziellen Seiltechnik, um Gesetzeskunde, Höhlen - und Naturschutz, Vermessungskunde, Sicherheit, Höhlenrettung usw.

                                            

In loser Reihenfolge erschienen Mitteilungsblätter sowie Schulungsbriefe und es wurden nationale und internationale Höhlenforschertreffen organisiert. Dafür gab es staatliche Hilfe, besonders über den Kulturbund. Befahrungsleiter wurde man nach abgelegter theoretischer und praktischer Prüfung. Dafür gab es einen Befähigungsnachweis, der die Türen der verschlossenen Höhlen öffnete. Befahrungsleiter waren für ihre Gruppe verantwortlich und ohne sie gab es keine Befahrung. Die übrigen Teilnehmer bekamen eine Sicherheitsbelehrung für die Höhle und trugen sich in die Teilnehmerliste ein. Das mag alles nach Gängelei aussehen, hat sich aber bewährt. Wilde Befahrungen, Feten mit Besäufnis und Beschädigungen der Höhlen waren nun nicht mehr möglich. Wenn ich mich an 21 Höhlenforschergruppen in der DDR erinnere so ist das keine konstante Zahl. Im Laufe der Jahre gingen Gruppen ein und neue entstanden. Auch die Aktivitäten waren schwankend. Neben unserer Wernigeröder -gab es die Fachgruppen Rübeland .Nordhausen, Kittelsthal, Königsaue, Suhl, Eisleben, Leipzig Dresden 2 mal, Naumburg, Neubrandenburg, Halle, Freiberg, Magdeburg Lübbenau, Karl-Marx-Stadt, Sondershausen, Weimar und Mittweida. Wir hatten zu 11 Gruppen Kontakt. Wenn ich über unsere Aktivitäten nachlese, so hatten wir langfristig 22 Mitglieder, darunter 8 Frauen, die in Verlässlichkeit und Belastbarkeit stets gleichwertig waren. Von 1968-1984 hatten wir 376 Befahrungen von 74 verschiedenen Höhlen und 36 Altbergbauen. Die anfangs noch wilden Altbergbau befahrungen mussten später bei der Bergbaubehörde beantragt werden. Einige Höhlentaucher gab es auch, die mit den F.G. bei Bedarf zusammenarbeiteten. Taucherausrüstung durfte privat keiner haben aus Furcht er hatte davonschwimmen können. Die GST wachte darüber und so waren Tauchereinsätze stets eine halb illegale Sache.

  Zusammenfassender Überblick über die Arbeit der FG Wernigerode

                                             von 1968-1990                                                                                     Zuarbeiten für das Karstmuseum Heimkehle, insbesondere Höhlenkataster. Harz. Vermessungen Schmiedeknechthöhle, kleine Höhlen im Bielstein, Peershöhle, Sandsteinhöhlen im nördlichen Harzvorland und der neu entdeckten Fortsetzung im Volkmarskeller Freilegung der Verbindung Hasenhöhle- Gruberhöhle-Bielshöhle. Besonders die Bielshöhle interessierte uns. Nach Sichtung aller zugänglichen Unterlagen konnten wir vor Ort die damalige Erschließung 1787 durch C.F. Becker, den alten Führungsweg, seine Veränderungen und die namentlich benannten 15 Abteilungen rekonstruieren. Trotzdem ist das Märchen von der einst tropfsteinreichen und geplünderten Bielshöhle nicht auszurotten. Ein Versuch, durch eine sog. Kneppersprengung (Sprengmeister Lischke / Woffleben) in der Strudelkolkhöhle weiterzukommen misslang. Der Verbruch war zu groß. Bielsteinkartierung für das Harzer Kalk- und Zementwerk Rübeland. (Porphyrgänge, Wasseraustrittsstellen. Färbeversuche. Zuarbeit für das Forschungsinstitut des Erdölkombinats Gommern. Fotodokumentation der Harzer Höhlen. (Vergleich zu heute. Erforschung der geschichtlichen Vergangenheit der Rübeländer Höhlen durch Befragung letzter, noch lebender Zeitzeugen, besonders der Höhlenführer. Reproduktion alter Fotos aus deren Besitz. Fotodokumentation der handgeschriebenen Akten über die Entdeckung der Hermannshöhle aus dem Nachlas des Höhlendirektors Lange. (1945 ausgeschieden) Berichte und Fotos von Frau Margot Prenzel /Rübeland. über die Höhlenfestspiele der 30er Jahre. Ihr Vater war Friseur und hat die Laienschauspieler mit Perücken und Bärten versorgt. Margot P. selbst war nach dem Krieg aktive Höhlenforscherin Austausch von Informationen und regem Briefwechsel mit Fritz Brandes (Entdecker der Brandeshöhle) der sich als Chronist der Rübeländer Höhlen verstand. Nach mehreren Interviews von Adalbert Schmiedeknecht/Hüttenrode und Auswertung seiner Tagebücher ,,Veröffentlichung: Die Entdeckung der Schmiedeknechthöhle (Kameruner Loch) -in der Verbandszeitschrift "Höhlenforscher". Veröffentlichungen höhlenbezogener Titel auch in anderen Fachzeitschriften den Wernigeröder Museumsheften und in England in "The British Caver". Übersetzungen aus dem Englischen: Showcaves in England by Tony Oldham und über die Mammuthöhle, weil es in der DDR keine internationale Literatur gab. Literaturaustausch mit den "sozialistischen Bruderländern" Ungarn. Rumänien, und der CSSR. Trotz Missbilligung durch den Zentralen Fachausschuss auch Literaturaustausch mit den USA England , Österreich und der Bundesrepublik . Westliteratur ging immer durch die Kontrolle des Mdi (Ministerium des Inneren) dessen Stempel auf jeder Sendung prangte. Manche Sendung kam nie an, andere wurden lange zurückgehalten. Natürlich wurde ich wegen meiner Westkontakte kritisiert und, wie ich heute weiß, auch observiert. Höhlenfreunde aus meiner nächsten Umgebung waren aus verschiedenen Gründen gezwungen worden. mich zu bespitzeln. Sie warnten mich und brachten sich damit selbst in Gefahr- bis auf einen. Der IM Berger pinselte übereifrig handschriftlich seitenlange Briefe, in denen er auch persönliche Ansichten äußerte. Nachteile hatte ich aber dadurch nicht. Gut und hilfreich waren die Kontakte zu F. Knolle und Fritz Reinboth. Sie vermittelten uns Einblicke in die Harzer Höhlenforschung, von denen wir hier nie etwas erfahren hätten. z.B. Stolberg und B. Wolf. Auch G. Machalet hat uns unterstützt und von Kurt Siebert / Wien bekam ich regelmäßig die Verbandsnachrichten Österreichischer Höhlenforscher. Tony Oldham schickte die ganzen Jahre hindurch seinen "British Caver"- Blicke in die große weite Welt. Kurt Siebert hat uns mit seiner Familie besucht und wir waren heimlich in der Bielshöhle.  Das war damals verboten. Siebert musste sich natürlich bei der Volkspolizei anmelden und betrat das Polizeibüro mit einem freundlichen GRÜß GOTT! Der Vopo schielte missmutig über seine Brille und sagte: Dän hamwer hier nich! Auch F. Knolle und seiner Frau haben wir die Bielshöhle gezeigt. Ais Ossi verkleidet und in die Befahrungsliste als Besuch aus Dresden unter falschem Namen eingetragen ging das gut. Naturschutz: Zwei Mitglieder, Groß und Tschorn, waren Naturschutzbeauftragte. l984 wurden die Rübeländer Höhlen als. geologische Naturdenkmale unter Schutz gestellt um dem Kalkabbau eine gesetzliche Grenze zu setzen. Unser FG Leiter Achim Groß war maßgeblich daran beteiligt. Beim Winterberg/ Bad Grund waren da wohl alle Rettungsversuche vergebens. Drei Mitglieder unserer FG waren Bodendenkmalspfleger des Archäologischen Landesamtes Halle. In dieser Eigenschaft fand ich mehrere Feuersteinmesser auf der Rübeländer Hochfläche, einen Schaber oberhalb der Brandeshöhle und in der Schmiedeknechthöhle einen von Dr. Weber als Artefakt eingestuften Abschlag aus Grünstein. Gemeinsam haben wir mit dem Landesmuseum Halle die Kirchenruine Rippenrode (?)ausgegraben und am Eggeröder Brunnen Rennöfen zur Eisengewinnung. Begleitscherben reichen bis ins 10.Jh.zurück. 1984 nahm unsere FG an einer 16- tägigen Grabung auf Höhlenbärenknochen in der Hermannshöhle teil. Leiter: Dr.Weber vom Landesmuseum Halle und R. Völker vom Karstmuseum Heimkehle.

Die reichhaltigen Knochenfunde, Sedimentproben, Pollenanalysen und 2 ca. 40 000 Jahren Feuersteinklingen haben schon wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse erbracht. Jährlich organisierten wir eine geologische Exkursion in das nördliche Harzvorland.1979 begannen sie an der Westgrenze bei Ilsenburg und erreichten im Laufe der Jahre Ballenstedt. Wir waren mit bis zu 14 PKW und 51 Teilnehmern immer gut besucht. Sie kamen aus allen Teilen der DDR und nahmen einen Exkursionsführer mit nach Hause. Nach der Wende boten wir das auch unseren westdeutschen Höhlenfreunden an (Pölzer) in der Annahme, es bestünde Nachholbedarf für unsere schöne und interessante Landschaft. Lediglich mit Jürgen Wode kam es zu eine m erlebnisreichen Landschaftsaustausch. Er kannte aber schon vieles hier von eigenen Besuchen. Für uns aber war alles neu im Westen. Fast alle Gruppen luden damals zu Zeltlagern, Exkursionen und Befahrungen ein. So lernten wir uns alle kennen, was die Arbeit im Zentralen Fachausschuss sehr erleichterte. Höhepunkte waren die 4- wöchigen Auslandsexpeditionen, organisiert vom Karstmuseum. Heimkehle. Dabei musste ALLES mitgenommen werden vom Zelt, über die Höhlenausrüstung bis zur Verpflegung. Wir waren in der CSSR, in Ungarn und besonders in Bulgarien. So erlebten wir Land und Leute hautnah, lebten in der Natur, saßen abends am Lagerfeuer, kochten unser Essen und befuhren Höhlen soviel wir wollten. Es waren unvergessliche Erlebnisse, in Film und Dia festgehalten. Freundschaften aus dieser Zeit haben bis heute gehalten. Was kann es besseres geben? In unserem Land selbst erhielt in staatlichem Auftrag eine Gruppe von Höhlenforschern aus allen Teilen des Landes die Gelegenheit den Kupferschieferaltbergbau bei Wimmelburg kennen zu lernen. Er ist durch mächtige Schlotten miteinander verbunden. Es ging um die Kartierung des verlassenen Abbaufeldes und um dessen Standfestigkeit. Ein einmaliges Erlebnis. Lit. Die Wimmelburger Schlotte. Chr .u. R. Völker  Heft 13 vom Karstmuseum Heimkehle. Den großen Zulauf den die F.G.Wernigerode stets hatte führen wir darauf zurück, dass wir ein Vierteljahresprogramm herausgaben und an andere FG. und interessierte Einzelpersonen verschickten. Als Drucksache kostete sie damals nur 5 Pfennig Porto und enthielt die Termine für Befahrungen, Exkursionen, Schulungen, Arbeitseinsätze, Lichtbildervorträge und den monatlichen Fachgruppenabend im Haus des Kulturbundes dessen Räume kostenlos genutzt werden konnten. So konnte jeder seine Zeit im Voraus einplanen. In den letzten Jahren arbeiteten wir noch mit der neu gegründeten Betriebsfachgruppe Mineralogie der Grube Einheit, Leiter Dipl. Mineraloge Dr. Scheffler zusammen. Das gab erneuten Zulauf interessierter Leute. Zum Jahresausklang, am 2. Wochenende im Dezember, mieteten wir jährlich von Freitag bis Sonntag ein Ferienheim am Eggeröder Brunnen. Die Weihnachtsfeier fand im Volkmarskeller im Schein von über 3oo Kerzen statt. Oft genug gab es 'keine zu kaufen und mussten selbst aus allen möglichen Wachsresten gegossen werden. Dank eines Stromaggregats hatten wir in der Höhle auch Musik. Weihnachtslieder unterm Weihnachtsbaum sorgten fürs Gemüt, während der Körper durch Westerlandpunsch erwärmt wurde. Diese Feiern mit Wanderungen , Befahrungen , Lichtbildervorträgen und üppiger Verpflegung im Kreis von 30 guten Freunden über dauerte bis zum Jahre 2000, 33 Jahre. Höhlenbezogene selbst ausgedachte und angefertigte Glückwunschkarten zu Neujahr kursierten im Lande. 1986 erhielt ich noch 21 Karten, heut sind es noch 2-3. Unser letzter Fachgruppenabend fand am 11.9.1990 statt. Da wurde auch der Kulturbund abgewickelt. Uns lockte es nun, die gewonnene Freiheit zu erkunden, andere Länder zu sehen und in den Süden statt in den Osten zu fahren. Unsere FG trat zwar noch mit ihren Restbeständen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde e.V. bei, jedoch ohne sich neu zu profilieren. Mag deshalb dieser Bericht als Nachruf gelten. So wurde eine, wie ich meine sehr erfolgreiche Periode der Harzer Höhlenforschung abgeschlossen, ging aber nicht zu Ende sondern wechselte in eine andere, neue Qualität über. Da die Höhlenforschung der DDR nun Geschichte ist, sollte sie auch in den Archiven einen Platz finden bevor sie in Vergessenheit gerät.

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   Fotos

 

                        Zur Höhlenrettung in Rübeland

Die Höhlenrettung beschränkte sich in Rübeland anfangs auf eine feuchtigkeitsdichte Box mit Verbandsmaterial. Mehr war aus eigener Kraft nicht zu machen. Außerhalb unserer Grenzen aber, das

wussten wir, gab es schon eine grenzüberschreitende, gut ausgebildete Höhlenrettung.

1975 erlitt der damals wohl bekannteste Höhlenforscher des Harzes, Friedrich Schuster aus Nordhausen,61 Jahre alt, beim Abstieg in einen Schacht auf der Strickleiter einen Herzinfarkt. lm Sicherheitsseil hängend, pendelte er anfangs noch leben über dem Abgrund und konnte, von Armeskraft gezogen, nicht geborgen werden. Der aus dem Kreiskrankenhaus Wernigerode hergerufene DMH Arzt kam in Sandalen und leichter, weißer Berufsbekleidung in die Höhle. Er sah eine lange, schwankende Leiter in einem finsteren Loch in der hochgelegenen Höhlenwand verschwinden und rief erschrocken: Da kriegen mich keine 10 Pferde hoch  - das kann man von mir nicht verlangen.

Aus diesen Mängeln zog ich später als Leiter der Wernigeröder Fachgruppe und Verantwortlicher für Sicherheit und Rettung im Zentralen Fachausschuss Höhlen und Karstforschung die Lehren. Als med. Ass. auf der chirurgischen Abteilung warb ich aus dem Krankenhaus 2 Chirurgen,1 Anästhesisten,  1 Assistenzarzt,1 MTA und einen Rettungspfleger an und befuhr mit ihnen aus der Sicht einer Höhlenrettung die schwer zugängliche Schmiedeknechthöhle. Es war ein erfolgreicher Versuch. Alle erklärten sich bereit, im Notfall zur Verfügung zu stehen.

Ich schrieb daraufhin einen Lehrbrief für 1. Hilfe unter Tage gültig für die Höhlenforschergruppen der DDR. Durchgelesen und abgesegnet vom Chef der chirurgischen Abteilung und vom Anästhesisten, sollte es in jedem Rettungsgepäck zur Information liegen. Dr.Regina Hösselbarth schrieb dazu über schlechte Wetter. An zentraler Stelle. z.B.  Rübeland, sollte Befahrungsausrüstung für die Ärzte und sonstige Helfer bereitliegen, dazu Schlufsäcke für 1. Hilfe und die Ausrüstung der Ärzte. Geht man davon aus, dass Schwerverletzte kaum aus der engen Horizontalhöhle heraus gebracht werden können und vielleicht auch nicht transportfähig sind, so muss der Retter zum Opfer gebracht werden und nicht umgekehrt. Der Verletzte muss nicht so schnell wie möglich sondern so sicher wie möglich aus der Höhle gebracht werden. Der Arzt allein ist berechtigt zu entscheiden, was mit dem Verletzten geschieht. Bis dahin ist jeder Höhlenforscher verpflichtet die vitalen Funktionen des Opfers zu unterstützen bzw. aufrecht zu erhalten, um weiteren Schaden zu vermeiden. Aufgabe der Höhlenrettung wäre der Materialtransport für ein erträgliches Biwak und das Einschleusen der Retter, die keine Höhlenerfahrung haben. Die Organisation solcher Notfälle müsste vorher geübt und geprüft werden. Teilweise haben wir das auch gemacht, z.B. in großer Enge in der Hermannshöhle ein Bein mit schnell abbindendem Gips versorgt. Wasser musste mühsam im Helm gesammelt werden um die Gips binden einweichen zu können. Bereits nach 15 min war der Gips belastungsfähig und die "Patientin" konnte aus eigener Kraft ausfahren. Mit den heutigen Kunstharzbinden ginge das noch viel besser und schneller. Aufblasbare Schienen erwiesen sich als zu unförmig und zu verletzlich.

Internationalen Kontakt hielten wir durch die Teilnahme an Höhlenrettungskongressen aufrecht. Z.B. Aggtelek / Ungarn und Jedornice Mährischer Karst mit 45 Teilnehmern aus 5 Ländern. Dabei erfuhren wir, dass Unfälle im Ausland, auch mit Todesfolge häufig vorkommen. In Italien waren es in 10 Jahren 18 Tote,82 Schwerverletzte,79 Leichtverletzte und 104 Unterkühlte. Selbst unser Gastland zelebrierte die Abgänge des letzten Jahres in lockerer weise mit einem Glas Schnaps pro Namensaufruf. Die DDR war, diesmal Dank ihrer Bürokratie, einsame Spitze. Nach anfangs wilden Befahrungen ,Randalen, Zerstörungen, Plünderungen

und Saufgelagen waren schon lange unsere Höhlen verschlossen und gesichert. Die Höhlenforscher waren organisiert, konnten sich ausweisen und den Schlüssel erhielten nur Befahrungsleiter. Das tat den Höhlen gut und den Fledermäusen auch. Meinen Arztkoffer mit Absaugpumpe, Atembeutel und Infusionsbesteck habe ich jeden falls nie benötigt. Weil ich an der Quelle saß, konnte ich bis 1992 Verbandsmaterial, Schienen, etc, abgeben. Heute würde ich dafür vom Krankenhaus eine Abmahnung bekommen. So hat eben jede Zeit ihre Vor und Nachteile.

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    Deutsche Geheimdienste und die Höhlenforschung

             Höhlenwohnungen in Langenstein

  URLAUB IN WERNIGERODE/ HARZ?

© 2007 Marco Tschorn

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